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Prof. Dr. Ralph Bock
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Aufruf zur Schaffung einer „Europäischen Stiftung zur Verhütung von Umwelt- und Gesundheitskrisen“

Schneller Handeln in Krisensituationen - 76 Wissenschaftler und nationale Akademiemitglieder aus 16 europäischen Ländern unterstützen die Forderung nach einer Europäischen Stiftung zur Verhütung von Umwelt- und Gesundheitskrisen.

Die Entstehung von SARS-COVID-2 hat die Welt in eine beispiellose Gesundheitskrise gestürzt. Die unzähligen individuellen Reisen über unseren globalisierten Planeten haben zu einer raschen und unvermeidbaren Ausbreitung der Pandemie geführt. Mit dieser Schwierigkeit sehen sich die Regierungen konfrontiert und versuchen diese Situation zu meistern. Allerdings sind ihre Strategien zur Eindämmung der Pandemie sehr unterschiedlich. Diese Ausgangslage scheint u.a. dazu zu führen, dass sich teilweise, die seit langem bestehenden geopolitischen Rivalitäten verstärken.

Die Pandemie entstand ausgerechnet zu einer Zeit, als wir bereits seit mehreren Jahren dabei waren uns gegenseitig zu stärken und anzunähern, um uns auf eine weitere große Krise vorzubereiten: die globale Erwärmung. Diese wird die Bewohnbarkeit von tieferliegenden Gebieten radikal beeinflussen, die Landwirtschaft und unsere Nahrungsmittelversorgung völlig verwandeln und sehr wahrscheinlich die Mechanismen für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten verändern. Es ist schwer, alle sich daraus ergebenden Migrationen und humanitären Krisen vorauszusehen.

In einer Zeit, in der China und die Vereinigten Staaten versuchen, ihre jeweiligen politischen und sozialen Ansichten durchzusetzen, müssen wir die in Europa vorherrschende Gemeinsamkeit bewahren, die die Mehrheit ihrer Bürger stolz macht und auf den Grundsätzen von Solidarität, Demokratie und Sorge um das Gemeinwohl beruhen. Wie wir wissen, treten in jeder Krise soziale Ungleichheiten auf, wobei die am stärksten benachteiligten Gruppen und Einzelpersonen im Allgemeinen am schlimmsten getroffen werden. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, erwarten wir, dass die europäischen Regierungen Verantwortung übernehmen. Die Europäische Union muss ihre Kapazitäten zur Krisenbewältigung stärken, um auch in turbulenten Zeiten den richtigen Kurs zu halten und Frieden zu erhalten. Sie muss ihre Fähigkeit unter Beweis stellen, Hilfe für die Regionen und Bevölkerungsgruppen zu koordinieren, die am stärksten von Gesundheits- und Umweltkrisen betroffen werden und ein besonders starkes Zeichen der Solidarität erfordern.

Die aktuelle Pandemie dient sehr gut dazu, uns daran zu erinnern, dass solche institutionellen Reaktionen behindert werden durch komplexe Verwaltungen, deren Reaktionszeit für größere Notfälle ungeeignet ist. Daher muss auch die Mobilisierung der Zivilgesellschaft stattfinden. Die Bemühungen von vermögenden Privatpersonen könnten zu einer viel schnelleren Reaktion auf unerwartete Herausforderungen führen und die von den Europäischen Staaten und der Europäischen Union beschlossenen Maßnahmen sinnvoll ergänzen.

In den Vereinigten Staaten von Amerika sind die Initiativen amerikanischer Milliardäre, die der Pandemie entgegenwirken, zu zahlreich, um sie alle aufzulisten. Sie folgen einer philanthropischen Tradition, die 1,5% des US-Brutto-Inlandprodukts (BIP) ausmacht. In Europa, wo Philanthropie historisch viel weniger tief verwurzelt ist, gibt es zwar einige bemerkenswerte Anstrengungen in der Bildung, in den Wissenschaften und im Bereich der sozialen Wohlfahrt, aber insgesamt machen solche privat finanzierten Unterstützungen nur 0,2% des BIP aus. Solche Privatinitiativen gegen Covid-19 seitens finanziell Privilegierter Europäer während der augenblicklichen Pandemie, sind gelinde gesagt, sehr selten und äußerst dünn gesät.

Daher fordern wir diese wohlhabenden Personen auf, sich an einem gemeinsamen Unternehmen der Unionsbürgerschaft zu beteiligen, indem sie eine „Europäische Stiftung zur Verhütung von Umwelt- und Gesundheitskrisen“ schaffen. Sie könnte mit einem Startkapital in Höhe von 20 Mrd. EUR ausgestattet sein, die von Gebern aus jedem der 27 EU-Länder stammen könnten. Eine durchschnittliche Spende von 100 Personen in Höhe von 200 Millionen Euro würde ausreichen, um dieses Ziel zu erreichen. Im Vergleich zur Kapitalausstattung in Höhe von 50 Mrd. USD, die Warren Buffet und Bill Gates zur Bill & Melinda Gates Stiftung beigetragen haben und die dem 2,5-fachen des Betrages entspricht, den wir hier vorgeschlagen haben, sollte das ein Aufwand sein, der zu bewerkstelligen ist. Diese Stiftung könnte in Extremsituationen mit unübertroffener Reaktionsgeschwindigkeit aufgrund der Entscheidung des Geberrates agieren, um in Krisensituationen gegebenenfalls in die am stärksten betroffenen Zonen der Europäischen Union oder irgendwo anders auf der Welt einzugreifen. In ruhigen Zeiten und auf Empfehlung ihres unabhängigen wissenschaftlichen Beirats würde die Stiftung die jährlichen Einnahmen aus ihrem Kapital - in der Größenordnung von 500 Mio. EUR – verwenden, um damit die akademische Forschung in Bereichen zu finanzieren, die für Gesundheits- und Umweltfragen relevant sind und um strategische Projekte sozial und technisch innovativer Unternehmen zu unterstützen, mit dem Ziel, künftigen Krisen zuvorzukommen.

Eine Vereinigung der europäischen Geber/Spender unter der Schirmherrschaft einer einzigen Stiftung wird die Mittel für groß angelegte Maßnahmen zur Verfügung stellen können, die dem historischen Status Europas entsprechen und in der Lage sein werden, die zukünftigen gesundheitlichen und ökologischen Herausforderungen anzugehen. Sicherlich sollte diese Initiative kein Ersatz für ein starkes Engagement der Regierungen gemäß der europäischen Tradition öffentlicher Investitionen sein, die den sozialen Zusammenhalt wahren. Allerdings würde ein solches europäische Engagement der reichsten Einzelpersonen bestätigen, dass jeder den Willen und die Fähigkeit hat, so viel wie möglich zu unserem gemeinsamen Schicksal beizutragen - ein Versprechen der Solidarität und des sozialen Elans, dass uns alle stärken wird.

Juni 2020

Hier geht es zum Originalaufruf in englischer Sprache und zur Liste der Unterzeichner: https://europe-foundation.eu/

 
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